Förderpreis von Prof. Dr. Franz Karl Stanzel

Samstag, den 22. Juli 2017 Harald Gebeshuber Aktuelles - Wettbewerbe
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Univ.-Prof. Dr. Franz Karl Stanzel wurde 1923 in Molln geboren. Von 1934 bis 1940 besuchte er das BRG Steyr. Er spricht sehr offen darüber, dass er als Jugendlicher von den jeweiligen Machthabern manipuliert und indoktriniert wurde, dass er politische Parolen übernommen hat, ohne sie zu hinterfragen. Vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten ließ er sich von einem älteren Schüler für die Jugendorganisation der Vaterländischen Front, der einzigen legitimen Partei des faschistischen Ständestaates, anwerben, danach war er Mitglied der Hitlerjugend.

Im Frühjahr 1940, Franz Karl Stanzel besuchte damals die siebte Klasse, erschien am BRG Steyr ein junger Marineoffizier und warb für die Meldung zur Kriegsmarine. Um der Enge des Kleinstadtlebens und der Strenge der Schule zu entgehen, meldete sich Franz Karl Stanzel freiwillig zur Marine. Er hat also anders als seine Klassenkollegen, die 1941 maturierten, niemals eine Matura am BRG Steyr abgelegt. 1942 geriet er nach der Versenkung seines U-Bootes im Mittelmeer in englische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr aus Kriegsgefangenenlagern in England und Kanada studierte er an der Universität Graz Anglistik. Er lehrte an den Universitäten Göttingen und Erlangen in Deutschland, später war er Professor für Anglistik in Graz. 2013 erschien seine Autobiographie „Verlust einer Jugend“.

Es ist Franz Karl Stanzel ein besonderes Anliegen, jungen Menschen in der kritischen Rückschau auf sein eigenes Leben näherzubringen, was es bedeutet hat, in den schwierigen Jahren zwischen 1934 und 1940 Schüler unserer Schule gewesen zu sein. Er sieht sich dabei als Aufklärer und verweist immer wieder darauf, wie wichtig es ist, aktuelle politische und gesellschaftliche Strömungen zu reflektieren sowie Meinungen nicht kritiklos zu übernehmen.

Prof. Stanzel stiftet den Preis am BRG Steyr zur Erinnerung an seine Klassenkameraden, die ohne ihn im Frühsommer 1941 ihre Matura ablegten und von denen manche – anders als er – den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt haben oder als Opfer des NS-Regimes gar nicht maturieren konnten.

Der mit 1000 Euro dotierte Preis wurde im Schuljahr 2016/17 erstmals ausgeschrieben. Insgesamt wurden 32 Beiträge zum Jahresthema „Fremd“ von einzelnen Schülerinnen und Schülern bzw. Gruppen eingereicht. Die besten Beiträge wurden von einer Jury aus Lehrerinnen und Lehrern des BRG Steyr prämiert. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Schulfestes am 5. Juli 2017 statt.

 

Preisträgerinnen und Preisträger

Das Projekt-Team organisierte für die Schüler/innen der ersten und zweiten Klassen einen Stationenbetrieb mit verschiedenen Aktivitäten rund um das Thema Sprache. Die Schüler/innen konnten eine Sprache wählen, die sie dann in drei Stunden in einem kurzen theoretischen Teil und unterschiedlichen Spielen kennenlernten. Zur Wahl standen Spanisch, Italienisch, Französisch, Russisch, Latein und ASL (American Sign Language, die amerikanische Zeichensprache). Gemeinsam mit Mitschüler/innen betreute das Projekt-Team insgesamt 256 Kinder in 32 Gruppen. Zudem wurde ein Buffet mit Speisen aus unterschiedlichen Ländern vorbereitet, die es dann in der jeweiligen Sprache zu bestellen galt. Am Ende des Projektvormittags sangen die Schüler/innen gemeinsam das Lied „Twinkle twinkle little star“, das sie mit ihren Guides in der von ihnen gewählten Sprache gelernt hatten.

Für die einzelnen Spiele bekamen die Gruppen Punkte. Am nächsten Tag wurde den drei besten Gruppen jedes Jahrgangs ein Preis überreicht.

Diese Aktion brachte die älteren und jüngeren Schüler/innen näher zusammen und nahm vor allem den Schüler/innen der ersten Klasse ein Gefühl der Fremdheit. Dadurch entstand eine neue Art von Gemeinschaft zwischen uns allen. Selbst ein halbes Jahr nach diesem aufregenden Tag grüßen uns die Kleineren noch immer in der passenden Sprache, wenn wir uns auf dem Gang begegnen. Die Begeisterung der Schüler/innen war überwältigend und die Zustimmung von Seiten der Lehrer/innen sehr groß. Deshalb wünschen wir uns, dass dieser Tag zur Tradition in unserer Schule wird.“ (Aus der Projektbeschreibung)

 

 

 

 

 

 

Anhang

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