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Feierliche Enthüllung einer Robert Musil Gedenktafel

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Am Montag, dem 15. April 2013, wurde um 11:00 Uhr in der Preuenhuberstraße 4 in Steyr die Gedenktafel für den Autor Robert Musil feierlich enthüllt. Nach den einleitenden Worten von Dir. HR Harald Gebeshuber und der Präsidentin des Clubs Soroptimist Steyr, Gabriele Mayrhofer MSc, richtete Bürgermeister Gerald Hackl seine Grußworte an die Gäste. Den Festvortrag hielt der anerkannte Musil-Experte Dr. Karl Corino, der für die Feier eigens aus Tübingen angereist war. Für die schöne musikalische Umrahmung sorgten Christoph Köppl (Schüler der 8C-Klasse am BRG Michaelerplatz) und seine Lehrerin, Frau Mag. Eva Pitscheneder.

Der berühmte österreichische Dichter Robert Musil wurde 1880 in Klagenfurt geboren und 1882 übersiedelte die Familie nach Steyr in die Preuenhueberstraße 4. Vater Alfred Musil amtierte als Direktor der staatlichen Fachschule und Versuchsanstalt für Stahl- und Eisenindustrie. Ab September 1886 besuchte Robert Musil die Volksschule Promenade und im September 1890 erfolgte der Eintritt in das Realgymnasium am Michaelerplatz. Ende Jänner 1891 übersiedelte die Familie nach Brünn, wo der Vater an der Deutschen Technischen Hochschule eine Professur für Maschinenbau antrat. (Dr. Corino)

Bei der Feier waren die 8. Klassen des BRG Steyr sowie zwei 3. Klassen der VS Promenade anwesend. Kristina Bühringer und Michael Wimmer aus der 8A-Klasse lasen Zitate aus Musils Werken:

Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Russland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur a-periodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.

Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben.

Wenn man gut durch geöffnete Türen kommen will, muss man die Tatsache achten, dass sie einen festen Rahmen haben: dieser Grundsatz ist einfach eine Forderung des Wirklichkeitssinns. Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, dass er seine Daseinsberechtigung hat, dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann.

Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. Man sieht, dass die Folgen solcher schöpferischen Anlage bemerkenswert sein können, und bedauerlicherweise lassen sie nicht selten das, was die Menschen bewundern, falsch erscheinen und das, was sie verbieten, als erlaubt oder wohl auch beides als gleichgültig. Solche Möglichkeitsmenschen leben, wie man sagt, in einem feineren Gespinst, in einem Gespinst von Dunst, Einbildung, Träumerei und Konjunktiven; Kindern, die diesen Hang haben, treibt man ihn nachdrücklich aus und nennt solche Menschen vor ihnen Phantasten, Träumer, Schwächlinge und Besserwisser oder Krittler.

In seiner Festrede wies Dr. Corino darauf hin, dass es sich bei Robert Musil um einen Autor von Weltrang handelt, dessen Werk in alle wichtigen Sprachen dieser Erde übersetzt wurde; und dass Musil aufgrund der Schlüssel-Erfahrungen, die er hier machte, Steyr als seine eigentliche Geburtsstadt betrachtete. Auch wenn Gedenktafeln die Tendenz haben, übersehen zu werden, gibt es laut Herrn Corino genügend Gründe, das Gebäude Nr. 4 in der Preuhenhuberstraße mit der Erinnerungstafel an diesen großen Autor auszuzeichnen. Und sollte nur ein Mensch durch diese Tafel zum Musil-Leser werden, so war sie ihr Geld wert.

Dir. HR Gebeshuber, Dr. Corino

Im Anschluss an die Gedenkfeier wurde zu einem Pressegespräch in die Orangerie eingeladen.

Die Feier wurde vom Club Soroptimist Steyr gemeinsam mit dem BRG Michaelerplatz im Rahmen der Feier 150-Jahre-BRG veranstaltet. Die Tafel wurde von der Abteilung Metalldesign der HTL Steyr entworfen und gefertigt.

Frau Heidemarie Corn von den Soroptimistinnen Steyr: Von ihr ist die Umsetzung der Idee mit der Gedenktafel ausgegangen.

Frau Teresa Lammer, Schülerin der HTL Steyr, hat die Tafel gefertigt.

Herr Martin Strolz, Lehrer an der HTL Steyr, hat die Gedenktafel entworfen.

 

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