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Autor Peter Henisch zu Besuch im BRG

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Mein Vater, der Mann, der DABEIGEWESEN war. Immer an der richtigen Stelle, immer im entscheidenden Augenblick. Im Juni 1941, bei der Heeresgruppe Mitte. Wenn einer einen Krieg erlebt, so kann er was erzählen ... (Aus: Die kleine Figur meines Vaters)

Ein grüner VW-Golf, nicht sehr gepflegt, nur unzureichend beseitigte Spuren von Vogeldreck auf dem Dach. Einige Kratzer an der linken Seite. Am Rückspiegel, der einen Sprung hatte, hingen Wassertröpfchen. Aber - tatsächlich! - der Schlüssel steckte im Türschloß.

Ich schaute mich um. In diesem Moment war der Schulparkplatz so gut wie leer. Ich griff nach dem Schlüssel, öffnete die Tür und stieg ein ... (Aus: Die schwangere Madonna)

Erste Geschichte: Vor ein paar Jahren gab es den ersten gesamtösterreichischen Schriftstellerkongreß im Wiener Rathaus. Wer dazu eingeladen war, hat per Post ein Ansteckschild mit seinem Namen zugeschickt gekriegt. Dieses Ansteckschild hab ich entweder vergessen oder nicht ernst genommen. Also jedenfalls komm ich zum Rathaus, und da läßt mich der Polizist, der dort am Tor steht, nicht eintreten.
Ihr Namensschild! sagt er.
Das hab ich zu Hause, sage ich.
Das kann ein jeder sagen, sagt er. Steht da wie der Torwächter bei Kafka. Vor dem Gesetz. Eine richtige Amtsperson. Ohne Namensschild kommen Sie da nicht rein!
Ich hab damals nicht weit vom Rathaus gewohnt, also bin ich nach Haus und hab das Namensschild in einem Couvert unter der abgelegten Post gefunden. Aber dann, in einer Anwandlung romantischer Ironie, habe ich das Stück Papier mit meinem eigenen Namen heraus genommen und auf die Rückseite E.T.A. Hoffmann geschrieben. Mit dem Schild am Revers bin ich dann zehn Minuten später wieder vor dem Polizisten gestanden. Na also! hat er gesagt. Warum denn nicht gleich? (Aus: Das bin doch nicht ich. Standard, 6.10.2007)

Zweite Geschichte: Einmal bin ich im Zug zu einer Lesung nach Salzburg gefahren. Ich habe in meinem Gedichtband Hamlet, Hiob, Heine geblättert und Zettel eingelegt. Mir visavis ist eine junge Frau gesessen, die hat mich gefragt, was ich da tu. Sehen Sie, hab ich gesagt, ich bin ein Autor und lese heute Abend aus diesem Buch, da lege ich Zettel ein, damit ich die richtigen Gedichte finde.

Na so was, hat sie gesagt, Sie sind also ein richtiger Dichter! Sie hat sich dann meinen Namen und den Namen des Buchs aufgeschrieben. Zwei oder drei Wochen später treff ich auf der Josefstädterstraße eine junge Person, die mir erst zuwinkt und mir dann den Weg vertritt. Erinnern Sie sich nicht? sagt Sie. Wir kennen uns aus dem Zug. Sie sind doch der Herr Heine! (Aus: Das bin doch nicht ich. Standard, 6.10.2007)

Dritte Geschichte: Ich gehe durch die Kärntnerstraße und spüre plötzlich ein dringendes Bedürfnis. In einer Seitengasse gibt es ein Wienerwald-Restaurant. Ich gehe einfach durch die Gaststube und will stracks auf die Toilette. Leider gelingt mir das nicht ganz unbemerkt, als ich an einem Kellner vorbeikomme, sieht er mich auf eigentümliche Art an. Das ist etwas peinlich. Als ich wieder aus der Toilette heraus komme, steht der Kellner mit einem zweiten vor der Tür. Will er mich zur Rede stellen? Nein, er hat einen Kassablock in der Hand und bittet um eiAutogramm. Na schön, ich schreibe rasch meinen Namen hin, die Situation ist mir nach wie vor unangenehm. Aber der Kellner lächelt strahlend. Dankeschön, sagt er, Herr Handke. (Aus: Das bin doch nicht ich. Standard, 6.10.2007)

Timo Davogg, Peter Trautwein

 

 

 

 

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