Ein Zeitzeugengespräch mit der 79-jährigen
Holocaust-Überlebenden Helga Weissova-Hoskova aus Prag

„Das Schicksal von Helga Weissova hat mich sehr berührt!“
„Wie kann man mit der Ungerechtigkeit,
mit dem unendlichen Leid und dem gebrochenen Stolz weiterleben?“
Erschütternd - unbegreiflich – zu welch schrecklichen Taten Menschen fähig
sind!
Mit solchen oder ähnlichen Worten fassten
Schüler/Innen der 7. Klassen ihre Eindrücke über das Zeitzeugengespräch mit
Helga Weissova-Hoskova am Dienstag, 21. Oktober 2008 im Dominikanerhaus in Steyr
zusammen.
Anlässlich der Ausstellung „Zeichne, was du siehst – Kinderzeichnungen aus dem
KZ Theresienstadt“ ist Helga Weissova-Hoskova persönlich nach Steyr gekommen, um
über ihren fast dreijährigen Aufenthalt im Ghetto Theresienstadt und ihren
Überlebenskampf zu erzählen. Als 12jährige wurde sie Ende 1941 zusammen mit
ihren Eltern von Prag nach Theresienstadt – ca. 60 km nordwestlich von Prag -
deportiert. „Zeichne, was Du siehst!“ sagte der Vater zu ihr, nachdem sie ihm
eine Zeichnung mit einem Schneemann und spielenden Kindern in die Männerkaserne
geschmuggelt hatte. Durch den Satz ihres Vaters und aus eigenem Antrieb fühlte
sie sich dazu aufgerufen, von nun an fast dokumentarisch das alltägliche Leben
im Ghetto zu erfassen. So entstanden in den folgenden Jahren über 100
Zeichnungen: vom Transport ins KZ, über den Alltag in Theresienstadt, die
Krankheiten, den allgegenwärtigen Tod, die sogenannte „Verschönerungsaktion“
(einem Komitee des Internationalen Roten Kreuzes wurde Theresienstadt als eine
Stadt „vorgestellt“, die der Führer den Juden geschenkt habe), aber auch über
die Träume und Visionen eines jungen Mädchens im KZ .
Ernüchternde Zahlen lassen jedoch erahnen, wie das Leben in Theresienstadt
wirklich ablief: von 15.000 Kindern überlebten nicht einmal 150.
Auf die Frage „Was hat Sie überleben lassen?“ antwortete Helga Weissova-Hoskova
„Viel Glück – die Hoffnung, zu überleben – und die Kunst hat mir geholfen“.
Die Kunst hat auch weiterhin ihr Leben bestimmt. Helga Weissova-Hoskova lebt und
arbeitet als international anerkannte Künstlerin in Prag.
Lange hat sie über die schrecklichen Jahre in Theresienstadt, ihre Deportation
nach Auschwitz, die Zwangsarbeit in einer Flugzeugbaufirma und die Verlegung
ins KZ Mauthausen, wo sie die Befreiung durch die Amerikaner noch erleben
durfte, geschwiegen.
Heute möchte die 79-jährige Holocaust-Zeitzeugin gegen das kollektive Vergessen
ankämpfen und dazu ermahnen, dass aus der Vergangenheit für die Zukunft gelernt
wird!
Mag. Irmgard Savio